Was ist Artenvielfalt, was ist Biodiversität?
- Marc Haddaji
- 25. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Was ist Artenvielfalt? Ist Biodiversität das Gleiche? Ist eins wichtiger als das Andere?
Wie kann ich helfen? Was hat das mit dem Insektensterben zu tun? Warum helfen die einen Maßnahmen, aber andere nur wenig, gar nicht oder schaden sogar?
Artenvielfalt und Biodiversität sind Begriffe, die sehr nah miteinander verwandt sind.
Um genau zu sein ist die Artenvielfalt ein Teil der Biodiversität - Biodiversität beschreibt die Vielfalt der Arten und die genetische Vielfalt innerhalb einer Art. Warum ist das wichtig? Ohne genetische Vielfalt innerhalb einer Population einer Art ist diese auf Dauer nicht lebensfähig. Sind die Populationen zu klein und sich die Individuen genetisch sehr ähnlich (die Individuen eng miteinander verwand), kommt es zu genetisch bedingten Krankheiten, die sich selbst vervielfachen. Das Wort Artenvielfalt beschreibt sich quasi selbst - was wir jedoch bedenken müssen ist, dass es sich auf heimische Ökosysteme bezieht.
Arten die wir von anderen Kontinenten einführen und die sich in unserer Landschaft ausbreiten, haben in den seltensten Fällen einen positiven Einfluss auf das Gefüge der heimischen Arten. Sie sind entweder unproblematisch, weil sie nur in kleinen Mengen in der Landschaft auftreten, oder entwickeln sich zum Problem weil sie heimische Pflanzen verdrängen, die nicht nur Teil unserer heimischen Artenvielfalt sind, sondern in der Regel deren Grundlage.
Letztere bezeichnet man als invasive Neophyten (übersetzt: eindringende Neupflanzen).
Diese Pflanzen vermehren sich stark und verdrängen dabei unsere heimischen Pflanzen indem sie starke Wurzelausläufer bilden, viel mehr Samen bilden, schneller wachsen und keine Fressfeinde haben.
"Keine Fressfeinde haben" erklärt auch warum sie nicht nur für andere Pflanzen eine Gefahr sind, sondern auch für Insekten.
Unsere Insekten und unsere Pflanzen haben sich in 10tausenden von Jahren gemeinsam entwickelt, mal im Sinne von "fressen und gefressen werden" mal als voneinander abhängige Gemeinschaft.
Man nennt das auch das "Schlüssel und Schloss"- Prinzip. Spezielaisierte Insekten brauchen "ihre Pflanze", mindestens um sich fortpflanzen zu können, gegebenfalls sogar für die eigene Ernährung.
Ein Schwalbenschwanz zum Beispiel kann sich durchaus Nektar am Sommerflieder holen, für die nächste Generation Schwalbenschwänze braucht er aber zum Beispiel den Diptam um seine Eier abzulegen, eine Pflanze die vom Sommerflieder verdrängt wird, oder Wilde Möhre, Echten Kümmel, Pastinak die von Kanadischer oder Riesengoldrute verdrängt werden.

Es ist schön, wenn Sie einen Schmetterlingsflieder gepflanzt haben, um Schmetterlinge zu unterstützen - leider haben der Name und ggfs die Schildchen mit Schmetterling oder Biene darauf keinen wissenschaftlichen Wert. Ein einziger Schmetterling legt seine Eier auf den Sommerflieder (der Königskerzenmönch) allerdings werden diese Raupen nie zu erwachsenen Schmetterling - die Eier helfen dem Fortbestand der Art also nicht. Auf einer Salweide hingegen können 198 Schmetterlinge für eine neue Generation sorgen und sie ist nur ein Beispiel von vielen Pflanzen die wichtig für unsere fliegenden Blüten sind (Gräser die wachsen dürfen zum Beispiel, bieten bis zu 40 Arten Raupenfutter).
Bei Wildbienen sieht es ähnlich aus während Honigbienen (gezüchtete Nutztiere), Hummeln und einige weitere Arten nahezu jede Blüte nutzen können, gibt es auch Arten, die nur die Pflanzen einer Familie (z.B. die Glockenblumen-Scherenbiene), oder nur einer Art nutzen können (z.B. Glänzende Natternkopf-Mauerbiene).

Der Vorteil heimischer Pflanzen liegt also auf der Hand: Mit ihnen kehren auch Wildbienen und Schmetterlinge in unsere Gärten zurück, die andernorts Probleme haben, weil die Bestände der genutzten Pflanzen zurückgehen.
Berücksichtigt man Arten, die wir nicht wahrnehmen, weil sie sehr klein sind und/oder versteckt leben, wird es noch eindringlicher:
Auf der Blüte des Wiesenklees leben 8 Arten, die die Blüte nicht verlassen - 7 kommen ausschließlich auf der Blüte des Wiesenklees vor (nicht auf dem Stengel, Blatt oder Wurzel) und ernähren sich von ihr, die 8. Art ist ein Räuber und ernährt sich von den anderen 7 Arten, kommt aber auch auf anderen Blüten vor. Zusätzlich gibt es noch Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer, Wanzen, Bakterien, Pilze die auf, von und mit dem Wiesenklee leben und ggfs durch Spezialisierung auf ihn selbst oder enge Verwandte angewiesen sind. Verlören wir den Wiesenklee, gingen mit ihm die auf ihn spezialisierten Arten.

Der Wiesenklee gibt es noch relativ häufig jedoch gilt dieses Prinzip für alle anderen heimischen Arten auch. Die Wissensschaft nimmt an, dass mindestens 10 Arten je Pflanzenart direkt auf eine Pflanze angewiesen sind - mit einem ganzen Rattenschwanz an Arten die wiederum auf diese Arten angewiesen sind. Zu einem solchen Geflecht werden wir aber wohl besser einen eigenen Artikel machen...



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